Ratgeber
Mit Schlafproblemen zum Arzt: was du mitnimmst
Geh in die Hausarztpraxis, wenn du seit mehr als einem Monat an mehreren Nächten pro Woche schlecht schläfst und bessere Schlafgewohnheiten nicht geholfen haben. Nimm ein Schlaftagebuch über zwei Wochen mit, eine Liste deiner Medikamente und eine Notiz, was du schon versucht hast.
Wann du gehst
Kurze Phasen mit schlechtem Schlaf sind häufig und brauchen laut der deutschen S3-Leitlinie meist keine Behandlung. Behandelt wird die chronische Insomnie. Das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums spricht davon, wenn man in mehr als drei Nächten pro Woche schlecht schläft und das länger als einen Monat anhält.
Die Hausarztpraxis ist die erste Anlaufstelle. Sie kann dich an Fachleute überweisen, wenn sich die Schlafstörung dort nicht klären oder behandeln lässt.
Was du mitnimmst
Ein Schlaftagebuch über zwei Wochen
Die S3-Leitlinie empfiehlt dringend, in der Diagnostik ein Schlaftagebuch einzusetzen, über 7 bis 14 Tage. Die Fassung für Hausärztinnen und Hausärzte rechnet mit 14 Tagen. Darin stehen Bettzeit, Zeit bis zum Einschlafen, Aufwachen, wache Zeit, Aufstehzeit und wie erholsam der Schlaf war. Ein Schlaftagebuch zum Ausdrucken oder das Schlaftagebuch online reicht dafür.
Deine Medikamente
Alles, was du nimmst, auch rezeptfreie Mittel aus der Apotheke und pflanzliche Präparate. Die Leitlinie für Hausärztinnen und Hausärzte empfiehlt Melatonin bei Insomnie nicht und spricht für Baldrian keine Empfehlung aus.
Koffein, Alkohol und dein Alltag
Wie viel Kaffee, Schwarztee, Cola und Alkohol du ungefähr trinkst und wann. Dieselbe Leitlinie rät, nach dem Mittagessen keine koffeinhaltigen Getränke mehr zu trinken und Alkohol weitgehend zu meiden, und ihn keinesfalls als Schlafmittel einzusetzen. Schichtarbeit, ein Baby, Schmerzen oder Sorgen spielen ebenfalls eine Rolle.
Was du schon versucht hast
Feste Aufstehzeiten, weniger Koffein, keine schweren Mahlzeiten am Abend: Sag, was du geändert hast und wie lange.
Was passieren kann
Die Ärztin oder der Arzt sucht nach der Ursache. Als erste Behandlung empfehlen die S3-Leitlinie und ihre Fassung für Hausärzte die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I), als Einzel- oder Gruppentherapie. Die europäische Insomnie-Leitlinie von 2023 empfiehlt sie auch in digitaler Form. In schweren, chronischen Fällen sollen psychotherapeutisch ausgebildete Fachleute hinzugezogen werden.
Schlafmittel wirken laut Leitlinie bei kurzzeitigem Gebrauch über 3 bis 4 Wochen; eine Langzeitbehandlung damit soll nicht erfolgen. Eine Untersuchung im Schlaflabor ist vorgesehen, wenn der begründete Verdacht auf eine andere Schlafstörung besteht, etwa eine Schlafapnoe oder periodische Beinbewegungen im Schlaf, und wenn eine Insomnie auf die Behandlung nicht anspricht.
Dieser Ratgeber ist keine medizinische Beratung. Wenn du seit Monaten schlecht schläfst oder der Alltag dadurch schwer wird, geh zu deiner Ärztin oder deinem Arzt.